Die Wiener Zeitung und ihre Zwangsinserate
Man stelle sich vor: Kapitalgesellschaften sind per Paragraf 10 des Unternehmensgesetzbuches verpflichtet, alle Firmenbuch-Eintragungen zwangsweise auch im Amtsteil der "Wiener Zeitung" per Inserat veröffentlichen. Da sich bei Gesellschaften ständig etwas ändert - Bestellung neuer Geschäftsführer oder Prokuristen, Übertragung von Gesellschaftsanteilen, Jahresabschlüsse etc. – ist der Inseratsanteil Wiener Zeitung stets prall gefüllt. Obwohl kein Mensch in den Inseraten nachliest, sondern elegant im tagesaktuellen elektronischen Firmenregister sucht, wenn er Details über eine Firma wissen will.
Ach, Sie kennen die "Wiener Zeitung" nicht? Zufälligerweise steht sie im Eigentum der Republik und deswegen lesen sich die Inhalte auch so furchtbar spannend. Großkoalitionär unverbindlich eben. Aalglatt und windschlüpfrig wie einst die "Prawda" in Russland.
Alle Anstrengungen der Wirtschaftskammer, diese Zwangssubventionierung der "Wiener Zeitung" endlich zu beenden, sind bisher ergebnislos geblieben. Obwohl ganz offensichtlich mit Zwangsabgaben eine Buchstabenwüste finanziert wird, die niemanden in Österreich interessiert – außer den Buchhalter der Wiener Zeitung. Die Zwangsinserate haben nichts mit Transparenz zu tun und dienen nur dazu, eine Regierungszeitung künstlich am Leben zu erhalten. Für Unternehmer ist es eine finanzielle Mehrbelastung ohne jeden Mehrwert. Sonst nichts. Wenn es schon unmöglich ist, in derart klaren Fällen eine Änderung herbeizuführen, wie sieht dann erst die Bereitschaft aus, in gesellschaftspolitisch heiklen und kontrovers diskutierten Bereichen Reformen durchzuziehen?
Solchen Unsinn konnten wir uns vielleicht früher leisten. Doch die fetten Jahre sind vorbei.
Themen: Politik
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