Sieben Punkte gegen Politikverdrossenheit

 

Was die Politik von der Wirtschaft lernen kann? Eine ganze Menge.

Sieben Punkte gegen die Politikverdrossenheit.

Politik und Wirtschaft haben nur auf den ersten Blick wenige Gemeinsamkeiten. Doch es gibt Parallelen genug: Hier der Wähler, dort der Kunde. Hier das Budget, dort die Bilanz. Hier die Wahlprognosen, dort die Marktforschung. Oft denken Politiker zu kurzfristig, zu oberflächlich, zu unwirtschaftlich. Sie sollten sich ein Scheibchen von den Unternehmern abschneiden.

 

Agieren statt Reagieren. Politik besteht zu großem Teil aus Reagieren, kleinräumigen Korrekturen, kurzsichtigen Scharmützeln, populistischen Schnellschüssen. Der Unternehmer denkt voraus, plant in großen Investitionen, in Visionen. Und das nicht in Vier- oder Fünf-Jahres-Perioden, sondern langfristig – und dadurch nachhaltig.

 

Budgetäre Ehrlichkeit. Auf lange Sicht muss jeder Unternehmer darauf achten, dass das Soll das Haben nicht überholt. Die Politik ist es längst gewohnt, Schulden zu machen und trotz allem nicht Konkurs zu gehen. Doch Politiker müssen sich selbst bei der Nase nehmen – im Sinne der nachfolgenden Generationen.

Kundennähe versus Bürgernähe. Kundennähe und Bürgernähe sind verwandt.

 

Bürgernähe endet jedoch meist bei der Anbiederung an die Mehrheit. Politische Kundennähe kann aber auch bedeuten, es nur einem bestimmten Teil der Wähler Recht zu machen und so eine Marktnische zu besetzen. Speziell kleinere Parteien gehen diesen Weg zum Teil konsequent, während die Großparteien kein Gegenrezept finden.

 

Taliban in den eigenen Reihen. In der Politik ist es üblich, dass es Querschüsse aus den eigenen Reihen gibt – zum Gaudium der Medien und des informierten Publikums. Unternehmer hingegen greifen in diesem Fall durch. Mehr Härte gegen Nestbeschmutzer würde auch in der Politik für mehr Geradlinigkeit und Glaubwürdigkeit sorgen.

 

Schein versus Sein. In der Politik zählen vollmundige Versprechen, persönliche Beliebtheit und rhetorische Gewandtheit – auch wenn oft nicht viel dahinter ist. Für Unternehmer zählt die Kompetenz. Der Markt lässt sich nicht blenden, da die nackten Zahlen jede Inkompetenz aufdecken. Professionalität ist gefragt.

 

Leistung versus Schema. Unternehmen bezahlen nach Leistung.
Die Politik bezahlt nach Schema – und vergrault dadurch die Besten.

Blick in den Markt. Die Politik neigt zu Schnellschüssen. Unternehmen forschen vorher, was beim Kunden ankommt und setzen das dann in die Realität um. Zuerst denken, dann handeln, würde auch in der Politik nicht schaden.

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Was die Politik von der Wirtschaft lernen kann

„Der Unternehmer denkt voraus, plant in großen Investitionen, in Visionen. Und das nicht in Vier- oder Fünf-Jahres-Perioden, sondern langfristig – und dadurch nachhaltig.“

Ich möchte an dieser Stelle die Zusammenfassung der geheimen Niederschrift eines geheimen Protokolls aus dem Jahre 2005, anlässlich der geheimen Tagung führender Wirtschaftskonzerne und Investmentbanken in Dubai, zumindest auszugsweise veröffentlichen, um herauszustreichen, wie langfristige und nachhaltige Planungsarbeit der Wirtschaft aussieht. Aber bitte nicht weitererzählen, die Tagung war, ich weiß nicht ob ich es bereits erwähnt hatte, geheim!

Da einerseits die letzte, von den Börsenaufsichten dieses Planeten, abgesegnete Geldumverteilungsaktion bereits wieder 4 Jahre vorbei war (Technologiblase), hunderte Millionen, Verzeihung Milliarden €, ihren Besitzer gewechselt hatten, zudem das Geld auf einigen wenigen Nummernkonten zugriffssicher vor der Gier ihrer vielen Vorbesitzer eingelagert war, andererseits die Dauer des Langzeitgedächtnis der meisten Anleger die Zeitspanne vom Abendprogramm des Vortages bis zum Frühstück des nächsten Tages nicht überschreitet, war es an der Zeit tief Luft für die nächste Blase einzuholen – darüber waren sich auch alle anwesenden Wirtschaftsbosse einig.

Nur über den Namen des „Kindes“ musste noch verhandelt werden – zurecht, so etwas will reiflich überlegt sein.

Die Latte lag nämlich recht hoch:
Es gab bereits die Tulpenmanie (1634 – 1636), den Lawschen Aktien und Banknotenschwindel (1716 – 1720), den englichen Südseeschwindel (1711 – 1720), die Panik von 1837, die britische Eisenbahnkrise (1847), die Gründerkrise (1873 mit 60 insolventen Banken), Weltwirtschaftskrise (ab 1929), erste Ölkrise (1973), zweite Ölkrise (1979/80), US-Sparkassenkrise (1981), Japankrise (1991), Tequila Krise (1994/95), Asienkrise (1997/98) sowie die bereits erwähnte Dotcom- oder Technologiekrise (2000), um nur die wichtigsten zu nennen.

Kleiner Exkurs:
Der Sinn solcher Krisen liegt darin, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Geld von möglichst vielen Menschen zu möglichst wenigen umzuleiten - selbstverständlich auf legalem Weg (bei meiner Ehr´!)

Wie an Hand obiger Aufstellung ersichtlich ist, lässt sich eine Gesetzmäßigkeit ableiten, der zufolge weltumspannende Krisen in immer kürzer auftretenden Zeitintervallen zu erfolgen haben.

Die versammelten Kapitäne der Multis standen unter gehörigem Druck – die Zeit für eine Krise war überfällig. Wollte man nicht selbst in eine Sinnkrise verfallen, musste gehandelt werden und zwar schnell.

Dieser immense Druck war dann auch wohl dafür verantwortlich, dass man sich zu einer Immobilienkrise entschloss, obwohl es in den letzten hundert Jahren bereits deren 5(!) gegeben hatte (1926: Landboom in Florida, 1990: Büroimmobilien in Japan, 1999 – 2002: Büroimmobilien in den neuen deutschen Bundesländern, 1985: Immobilien in Spanien, 2002 – 2007: dasselbe noch einmal und wieder in Spanien) – aber wie gesagt: das „Langzeitgedächtnis“!

Vom Ehrgeiz besessen, eine Krise heraufzubeschwören, die alle bisherigen in den Schatten stellte, machte man sich hurtig ans Werk.

„Man wird nach einem Schuldigen suchen“, warf ein Topmanager ein, der so manche Krise hatte kommen und gehen sehen.
„Auszählspiel oder Reise nach Jerusalem?“
Man entschied sich für die Auszählvariante:
„Ene, meine muh und raus bist! Raus bist du noch lange nicht, sag mir erst …“
Die Wahl fiel auf Richard S. Fuld von Lehman Brothers.

Stufe für Stufe wurde das gewaltige Vorhaben Realität:

Stufe 1: Spekulativ aufgeblähtes Wirtschaftswachstum in den USA und eine weltweit kreditfinanzierte Massenspekulation
Stufe 2: Ausfälle und Zahlungsstörungen im US-amerikanischen Hypothekenmarkt insbesondere im Subprime-Segment
Stufe 3: Verluste und negative Ratingänderungen von forderungsbesicherten Wertpapieren und ABCP
Stufe 4: Illiquidität von ABCPs und forderungsbesicherten Wertpapieren, sowie Ausweitung der Risikoaversion von Investoren gegenüber kreditrisikobehafteten Anlageinstrumenten
Stufe 5: Geldmarktliquiditätsengpässe
Stufe 6: Refinanzierungsprobleme von Banken und hohe Neubewertungsverluste von kreditrisikobehafteten Anlageinstrumenten
Stufe 7: Arbeitsplatzabbau in Unternehmen und Unternehmensinsolvenzen durch sinkende Kreditvergabe für kreditrisikobehaftete Anlagen und wegen Deleveraging seitens der Banken
Stufe 8: (und das war das eigentlich Geniale an der Vision) Nachdem man bereits ca. 10.000 Milliarden Dollar „umgeleitet“ hatte, floss in etwa der selbe Betrag noch einmal aus den Taschen der Steuerzahler, die sich keinen Steuerberater leisten konnten, über den Umweg der nationalen Regierungen auf die Konten der „Umverteiler“.

Nach diesem Plan setzten die Teilnehmer besagter Tagung ihre Visionen langfristig und nachhaltig um.

Der Rest ist Geschichte - und die wird sich wiederholen!

Insofern - um wieder auf den Ausgangspunkt zurückzukommen - würde ich mir auch wünschen, dass Politiker endlich von der Wirtschaft lernen und endlich AGIEREN statt nur REAGIEREN!!!